Mo 19. November 2018 19:30

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Eines dieser kaum zu glaubenden, wie fürs Kino geschriebenen historischen Ereignisse ist Vorlage für Lars Kraumes neuen Film „Das schweigende Klassenzimmer“. Genau dies tat 1956 eine Abiturklasse in Stalinstadt: Schweigen. Schweigen, um der Opfer des Ungarnaufstandes zu gedenken. Eigentlich keine große Sache, doch im DDR-System, wo Mut und Zivilcourage als konterrevolutionär eingestuft wurde, der Beginn kaum glaublicher Ereignisse, die Kraume mitreißend, berührend und souverän inszeniert. Eine kluge Geschichtsstunde und, um im Titel zu bleiben, ein Film von ganz großer Klasse!

1956, die DDR lebt und funktioniert mehr oder weniger, der Mauerbau liegt fünf Jahre in der Zukunft, der Übergang in den Westen ist noch relativ problemlos möglich. Diese Gelegenheit nutzen auch die beiden Abiturienten Theo (Leonard Scheicher) und Kurt (Tom Gramenz) regelmäßig aus, um einen Blick in die selbst ernannte freie Welt zu werfen. Was in ihrem Fall bedeutet: Auf die nackte Marion Michael, die in „Liane“ durch den Dschungel schwingt. Doch davor steht die Wochenschau und in ihr Berichte aus Ungarn und den gerade stattfindenden Protesten gegen die Regierung.

Nicht etwa von einer von Faschisten angeführten Konterrevolutionären wie in den DDR-Medien ist hier die Rede, sondern von Freiheitskampf und sowjetischer Brutalität. Zurück in der Heimat verbreiten Theo und Kurt ihre Information und stoßen auf Überraschung, aber auch auf Ablehnung: Erik (Jonas Dassler) etwa glaubt fest ans Regime, andere sind da skeptischer und lassen sich nach der im verbotenen RIAS-Radiosender gehörten Nachricht, dass der ungarische Fußballer Ferenc Puskás ums Leben gekommen ist, von Kurt zu einer symbolischen Geste überreden: Einer Schweigeminute.

Deutschland 2017, Regie: Lars Kraume, Buch: Lars Kraume, nach dem Buch von Dietrich Garstka, mit: Leonard Scheicher, Tom Gramenz, Lena Klenke, Jonas Dassler, Ronald Zehrfeld, Florian Lukas, Jördis Triebel, Michael Gwisdek, Burghart Klaußner, 111 Minuten, FSK 12