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Wie das Leben so spielt: Manche haben Glück, sie wachsen liebevoll behütet in einer Familie auf. Andere wieder haben Pech und landen im Heim. Oder sie hauen von zu Hause ab, weil sie es nicht ertragen, kommen in schlechte Gesellschaft, geraten auf Abwege und haben niemanden, der sie auffängt. Sie landen im Knast, im Alkoholrausch oder im Drogensumpf oder in allem zusammen, haben keine Arbeit, kein Geld und keinen Menschen, der zu ihnen hält oder mit dem sie es aushalten, und irgendwann sitzen sie auf der Straße. Vier von diesen Typen leben in und um Köln herum und öffnen für den Film ihre Taschen und irgendwann auch ihre Herzen.

„Da reichen vier Pfandflaschen, und schon kann man sich den ganzen Tag ernähren“, sagt der Mann im Wald, der von Haferflocken lebt, wenn er nichts anderes hat, und von dem, was er so findet. Er hat keine Angst im Wald – die Menschen haben vor ihm Angst. Zusammen mit seinem Kumpel, dem Pflastermaler, schläft der Kasache am Parkrand in einem Zelt. Er schreibt ein Schild, mit dem er um Geld bittet. Er ist drogensüchtig, von seiner kriminellen Vergangenheit erzählt er mit einem leichten Lächeln. Vielleicht schwingt Stolz dabei mit, sicherlich auch Verlegenheit. Sie sind ab und an mal verlegen, die vier Männer – doch sie schämen sich nicht, sind sich dessen bewusst, wer und was sie sind, ohne sich zu rechtfertigen. Was passiert ist, ist passiert und lässt sich nicht mehr ändern. Die Zukunft spielt für sie keine Rolle. Sie sind raus aus dem großen Spiel, sie sind draußen, und damit ist nicht nur der Aufenthalt im Freien gemeint, sondern auch durchaus symbolisch der Bezug zur Gesellschaft. Hier draußen reduziert sich das Menschsein aufs Wesentliche. Ehe, Familie, Arbeit, Eigentum, etwas aufbauen … all das ist für sie unwichtig. Sie sind Überlebenskünstler.

Deutschland 2018, Buch und Regie: Johanna Sunder-Plassmann, Tama Tobias-Macht, Mit: Elvis, Peter, Sergio, Matze, 80 Minuten, FSK 12

Diese Vorstellungen findet statt dank der freundlichen Unterstützung durch Unsichtbar e.V. Nach der Vorstellung am Samstag den 29.9. werden einige Vereinsmitglieder für eine Fragerunde und Diskussion rund um den Film und das Thema Obdachlosigkeit in Deutschland zur Verfügung stehen.