Mo 11. Februar 2019 19:30

eldorado_-_trailer_de

Noch ein Film über Flüchtlinge, über die verzweifelten Versuche, auf Booten das Mittelmeer zu überqueren, um nach Europa zu kommen. Das mag man im ersten Moment über Markus Imhoofs Dokumentation „Eldorado“ denken, doch dem Schweizer Regisseur gelingt es mit erzählerischer Zurückhaltung einen empathischen, aufwühlenden Film zu drehen.

Unter den Titeln von Markus Imhoofs Dokumentation glitzert es golden, so golden wie das Fabelreich “Eldorado“, nach dem der Schweizer Regisseur seinen neuen, gleichermaßen persönlichen, wie universellen Film genannt hat. Doch weder das Gold, das die Konquistadoren nach Südamerika führte, ist zu sehen, noch das vermeintliche Gold, dass Flüchtlinge in Europa zu finden hoffen: Was hier golden glänzt sind Wärmedecken mit denen den ausgezehrten Menschen, die von Rettungsmannschaften aus dem Mittelmeer gefischt werden, erste Hilfe geboten sind.
 
Mit diesem metaphorischen Bild beginnt Markus Imhoofs Film, das allein schon Fragen aufwirft, die abendfüllend wären. In den folgenden 90 Minuten begibt sich Imhoof auf zwei Reisen, die er teils auf der Bild-, teils auf der Tonebene erzählt, lose und doch bestimmt nebeneinanderstellt, ohne dem Zuschauer eine Botschaft oder gar eine Moral aufzudrängen. Die eine Reise ist eine persönliche, eine Erinnerung an Giovanna, ein Mädchen aus Italien, das Imhoofs Familie nach Ende des Zweiten Weltkriegs aufnahm. Für ein paar Jahre lebte dieses fremde Mädchen, das fremde Wesen, bei der Familie und offenbarte Imhoof einen Blick nach außen, in eine andere Welt. Bald ging Giovanna zwar wieder zurück nach Italien, zu ihrer richtigen Familie, doch die Erinnerung an sie prägte Imhoof augenscheinlich sehr, auch wenn er sie nie wiedersah: Giovanna starb jung, vermutlich auch an den Folgen von Flucht und Hunger.

Schweiz/ Deutschland 2017, Regie: Markus Imhoof, 92 Minuten, FSK 6