Do 26. Juli 2018 19:30
Fr 27. Juli 2018 19:30
Sa 28. Juli 2018 19:30
So 29. Juli 2018 18:00
Mo 30. Juli 2018 19:30
Di 31. Juli 2018 19:30

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Als cineastischer Biograf bekam Wim Wenders bereits drei Oscar-Nominierungen. Nach den Musikern vom „Buena Vista Social Club“, Tanz-Ikone „Pina“ Bausch sowie dem Fotografen Sebastião Salgado in „Salz der Erde“ folgt nun ein Porträt über Papst Franziskus. Präsentiert werden dessen politisch durchaus radikale Ansichten in Sachen Ökologie, sozialer Gerechtigkeit oder Konsumgesellschaft. Rigoros beklagt der Pontifex zudem die Vertuschung von sexuellem Missbrauch in seiner Kirche. Er fordert die Stärkung von Frauen und die Akzeptanz von Schwulen. Neben den Bildern der Papst-Reisen rund um die Welt überrascht Wenders vor allem mit einzigartig intimen Innenansichten: Mehrfach erhielt er Interview-Audienz im Vatikan. Wie in „Salz der Erde“ postiert er die Kamera dabei so raffiniert, dass der Befragte wie Auge in Auge mit dem Zuschauer wirkt. In Zeiten von zunehmendem Zynismus dürfte dieses Biopic über einen ebenso bescheidenen wie charismatischen Sinnstifter einen Nerv beim Publikum treffen. Es müsste mit dem Teufel zugehen, wenn Wenders für diesen dokumentarischen Meilenstein nicht endlich die verdiente Oscar-Absolution erhielte!

Der argentinische Jesuit Jorge Mario Bergoglio, anno 2013 zum 266. Bischof von Rom und Papst gewählt, kann gut mit Kindern - das zeigt eine amüsante Frage-Antwort-Sequenz gleich zu Beginn. Und der 81-Jährige kann gut mit Menschen jeglicher Hautfarbe oder Religion. Ob mit Häftlingen. Opfern von Naturkatastrophen. Flüchtlingen. Oder Überlebenden des Holocaust. Als argloser Menschenfänger rührt er selbst abgebrühte Abgeordneten im US-Kongress zu Tränen - um ihnen wenig später die Verwerflichkeit von Waffenexporten um die Ohren zu hauen. Dass er in der Wagenkolonne statt mit protziger Panzerlimousine mit einem schlichten Fiat 500 vorfährt, macht selbst schlagfertige US-Kommentatoren sprachlos. Solche Symbolik der Demut ist diesem Papst freilich so wichtig wie die Fußwaschung von Sträflingen - und sie lässt die griesgrämigen Gesichter seiner Bischofs-Bonzen im Petersdom noch versteinerter wirken. Ein geradezu himmlischer Anblick, wenn der Oberhirte von seinen Würdenträgern im prunkvollen Marmor-Saal mit gewohnt fröhlichem Lächeln ein „Ende der Trauerminen“ einfordert - solche Szenen hätte „The Da Vinci Code“ kaum unheimlicher inszenieren können!

 

Deutschland/ Frankreich/ Italien 2018, Regie: Wim Wenders, Buch: Wim Wenders & David Rosier, 100 Minuten, freigegeben ohne Altersbeschränkung