Nach dem autobiografischen Roman von Bestseller-Autor Joachim Meyerhoff erzählt Sonja Heiss die seltsame Geschichte eines Kindes, das mit seinen beiden Brüdern auf dem Gelände einer Kinder- und Jugendpsychiatrie aufwächst. Papa Richard ist der gutmütige Direktor der Anstalt. Mit seinen diversen Schrulligkeiten könnte er freilich auch als Patient taugen. Liebevoll schildert das Coming-of-Age-Drama die Geschichte von Joachim im Alter von sieben, 16 und schließlich 25 Jahren. Dessen junge Darsteller präsentieren die sensible Figur mit großer Glaubwürdigkeit. Einmal mehr erweist sich Komplizen-Film, die Produktionsfirma von Maren Ade, als Talentschuppen für ambitioniertes Arthaus-Kino der unterhaltsamen Art.

Anno 1974 wird der kleine Zappelphilipp wieder einmal zur Beruhigung auf die rüttelnde Waschmaschine gesetzt wird. „Wasserkopf“ wird Joachim (Camille Loup Moltzen) von seinen Geschwistern abschätzig genannt. Die schrecklich nette Familie hat so einige Baustellen zu meistern. Das geringste Problem ist dabei noch der ungewöhnliche Wohnort, nämlich auf dem Anwesen einer großen psychiatrischen Klinik, die Joachims Vater leitet. So souverän der Professor mit seinen Patienten umgeht, so verschroben wirkt er als Familienoberhaupt. Gern zieht er sich schweigsam in seinem Lesesessel zurück. Falls Papa sich doch einmal zu sportlichen Aktivitäten aufrafft, scheitern diese Bemühungen kläglich. Selbst das Segeln fällt wegen seiner Seekrankheit ins Wasser. Dass der Ministerpräsident beim Besuch der Klinik in eine ausgesprochen peinliche Lage gerät, ist freilich nicht seine Schuld. Während bei den Eltern es in der Beziehung kriselt, hat sich Joachim total verknallt in die gleichaltrige Patientin Marlene.

 

Deutschland 2022, Regie: Sonja Heiss, mit: Devid Striesow, Laura Tonke, Arsseni Bultmann, Merlin Rose, Camille Loup Moltzen, Pola Geiger, 116 Minuten, FSK 12