In der Weltstadt Lahore leben 13 Millionen Menschen auf engstem Raum, viele Großfamilien teilen sich eine Wohnung. Das gilt auch für Haider, der mit seiner Frau Mumtaz, seinem Bruder und dessen stetig wachsender Familie zusammen mit dem kranken Vater, der im Rollstuhl sitzt, unter einem Dach wohnt. Haider ist schon lange arbeitslos – in den Augen seines erzkonservativen Vaters ein großes Problem. Doch Haider ist keinesfalls untätig, er kümmert sich um den Haushalt und um die kleinen Nichten, er kocht und putzt. Nur der Arbeitslosigkeit ihres Mannes hat es Mumtaz zu verdanken, dass sie arbeiten gehen darf. Sie ist gelernte Kosmetikerin und liebt ihren Job. Eigentlich könnte es so weitergehen, doch eines Tages bekommt Haider ein Arbeitsangebot: Er kann in der erotischen Tanz-Show der Transfrau Biba Background-Tänzer werden. Haider ist alles andere als talentiert, aber Biba fasziniert ihn, und so versucht er erfolgreich, sich mit Fleiß, Disziplin und Einsatz bei Biba zu bewähren. Mit Erfolg: Sie wird auf ihn aufmerksam, und es entwickelt sich eine heimliche Romanze zwischen den beiden. Allerdings hat sein Job nicht nur positive Folgen, auch wenn Haider durch Biba eine völlig neue Art der Freiheit und des Begehrens entdeckt. Da Haider nun Arbeit hat, angeblich ist er Theatermanager, darf Mumtaz laut Beschluss von Haiders Vater nicht mehr arbeiten gehen. Als sie dann schwanger wird, ist das in den Augen der Familie der längst fällige Beweis, dass Haider wohl doch ein echter Kerl ist. Während Haider sich den familiären Zwängen zu beugen scheint, rebelliert Mumtaz dagegen – es droht eine Katastrophe.
Einer der ambitioniertesten Filme in Cannes 2022 – der erste pakistanische Film im Festival, eine Provokation für jede patriarchalische Gesellschaft und damit ein durchaus gewagtes Statement des jungen Regisseurs Saim Sadiq: Die Geschichte eines Mannes, der unter den Zwängen seiner Familie leidet und seine Freiheit entdeckt, als er sich in eine Transfrau verliebt. Das Melodram ist auch cineastisch ein Gewinn: In einer sensiblen Bildgestaltung bietet der Film nicht nur eine ungewöhnliche Romanze, sondern auch stimmungsvolle Einblicke in den pakistanischen Alltag.
Pakistan 2022; Regie: Saim Sadiq; Mit: Ali Junejo, Alina Khan, Sania Saeed, Salmaan Peerzada; Länge: 126 Minuten; FSK 12