Filmemacherin Marie steckt in der Krise. »Schreib doch ein neues Drehbuch!«, so der gut gemeinte Ratschlag ihres Ehemannes. Wenn das so einfach wäre! Als eines morgens eine Kiste voller Fotos und Filmaufnahmen aus ihrer Kindheit vor der Tür steht, begibt sich Marie auf eine emotionale Zeitreise in die 50er- und 60er-Jahre. Mit dem Blick ihres Vaters, einem passionierten Fotografen und Filmemacher, begegnet sie noch einmal dem frühen Tod ihrer geliebten Mutter, ihrer vom Vater argwöhnisch beäugten Pubertät und der Abschiebung in das katholische Mädcheninternat. Eine Jugend, geprägt von ständiger Rebellion gegen Muff und Moralvorstellungen der Nachkriegsjahre, gegen den alles dominierenden Vater und gegen eine Gesellschaft, die von Mädchen vor allem eines erwartet hat: hübsch in die Kamera lächeln und keinesfalls selbst Regie führen!

„Vatersland“ ist die ergreifende Geschichte einer Traumabewältigung. Nach ihrem preisgekrönten Biopic „Auf der Suche nach dem Gedächtnis“ über Hirnforscher Eric Kandel verarbeitet die gefeierte Dokumentarfilmerin Petra Seeger mit ihrem ersten Spielfilm ihre eigene Vergangenheit als heranwachsendes Mädchen in einer von Männern dominierten Nachkriegsgesellschaft. In Form einer ,Erinnerungscollage‘ verwebt sie künstlerisch die Spielszenen mit wundervollen alten Fotos und Filmaufnahmen aus ihrem privaten Archiv und liefert nicht zuletzt einen sehr persönlichen Beitrag zur Debatte über die Stellung von Frauen im Filmgeschäft.

Deutschland/Belgien 2020 | Regie: Petra Seeger, mit: Margarita Broich, Felizia Trube, Momo Beier, Stella Holzapfel, Bernhard Schütz, u.A. | 118 Minuten, FSK 12